TESTO DEL LIED
"Vernunft und Liebe"di Gottlieb von Leon (1757-1830)
Ein blondiges Mägdelein, rosig und zart,
Liebäugig und schalkhaft nach Täubelein Art,
Das läuft mir die Sinnen wohl aus und wohl ein,
Und läßt nicht ein Stündchen in Ruhe mich sein.
Ja, sink' ich im Schlaf auf erquickenden Pflaum,
So geckt sie, und neckt sie mich, selber im Traum,
Und will ich sie haschen dann lüftig und warm,
Husch! Schlüpft mir der lüftige Schalk aus dem Arm.
O Bübin! Spitzbübin! treibst du mir's stets so,
Dann werd ich des Lebens wohl nimmermehr froh,
Dann siehts hier im Hirnchen, ach! Kunterbunt aus,
Mama'chen Vernunft bleibt mir nimmer zu Haus.
Drum bitt' ich, damit du mit ihr dich verträgst,
Daß du dein Visitchen, nun seltner ablegst,
Und kömmst du, so komm' ihr hübsch sittig und fein,
Und noch so willkommer wirst du ihr dann sein.
Denn bleibt ihr euch, Lieb' und Vernunft, stets so hold,
Daß eines auf's andre nicht grollt und nicht schmollt:
Dann lebt sichs und liebt sich mit fröhlichem Mut;
Dann liebt sichs und lebt sich noch einmal so gut.