TESTO DEL LIED

"Kaiser Otto's Weihnachtsfeier"
di Heinrich (Gottlob) von Mühler (1813-1874)

Zu Quedlinburg im Dome ertönet Glockenklang,
der Orgel Stimmen brausen zum ernsten Chorgesang,
es sitzt der Kaiser drinnen mit seiner Ritter Macht,
voll Andacht zu begehen die heil'ge Weihenacht.
Wohl ist auch jetzt vom Siege er wider heimgekehrt,
doch nicht des Reiches Feinden hat mächtig er gewehrt;
es ist der eigne Bruder, den seine Waffe schlug,
der dreimal der Empörung blutrotes Banner trug.
Da öffnen sich die Pforten, es tritt ein Mann herein,
es hüllt die starken Glieder ein Büsserhemde ein,
er schreitet auf den Kaiser, er wirft sich vor ihm hin,
die Knie er ihm umfasset mit tiefgebeugtem Sinn.
"O Bruder, meine Fehle, sie lasset schwer auf mir;
ich liege hier zu Füssen, Verzeihung flehend, dir!
Was ich mit Blut gesündigt, die Gnade macht es rein,
vergib, o strenger Kaiser, vergib, o Bruder mein!"
Doch strenge blickt der Kaiser den sünd'gen Bruder an:
"Zweimal hab' ich vergeben, nicht fürder mehr fortan!
Die Acht ist ausgesprochen, das Leben dir geraubt,
nach dreier Tage Wechsel, da fällt dein schuldig Haupt!"
Bleich werden rings die Fürsten, der Herzog Heinrich bleich,
und Stille herrscht im Kreise gleich wie im Totenreich;
man hätte mögen hören jetzt wohl ein fallend Laub,
denn keiner wagt zu wehren dem Löwen seinen Raub.
Da hat sich ernst zum Kaiser der fromme Abt gewandt,
das ew'ge Buch der Bücher, das hält er in der Hand;
er liest mit lautem Munde der heil'gen Worte Klang,
daß es in aller Herzen wie Gottes Stimme drang:
"Und Petrus sprach zum Herren: "Nicht so? Genügt ich hab',
wenn ich dem sünd'gen Bruder schon siebenmal vergab?"
Doch Jesus ihm antwortet: "Nicht siebenmal vergib,
nein, siebenzigmal sieben, das ist dem Vater lieb."
Da schmilzt des Kaisers Strenge in Tränen unbewußt,
er hebt ihn auf, den Bruder, er drückt ihn an die Brust;
ein lauter Ruf der Freude ist jubelnd rings erwacht,
nie schöner ward begangen die heil'ge Weihenacht.