TESTO DEL LIED
"Karl der Grosse und Wittekind"di Johann Nepomuk Vogl (1802-1866)
Es steht der Sachsenführer, Herr Wittekind, gar wild
um Mitternacht alleine auf wüstem Schlachtgefild,
sein Eisenpanzer funkelt im hellen Mondenschein,
er aber steht erstarret, als wär's ein Bild von Stein.
Ringsum da liegen alle die Seinen hingestreckt,
die mächt'gen Riesenleiber mit Wunden überdeckt,
man meint, sie lägen alle schlafend auf grünem Grund,
und stiess er in sein Schlachthorn, sie rasselten auf zur Stund.
Doch finstern Blickes misset der Wittekind den Plan:
"Umsonst nicht, Kaiser Karol, hast du mir das getan!
Gott Irmin heischet Rache für das, was du vollbracht,
laß sehen, ob dich schirme des Christengottes Macht!"
Durchs Wesertal nun schreitet er fort voll grimmer Wut,
auf Eins nur geht sein Trachten, und das ist Karols Blut.
In einen härnen Mantel hüllt er den Panzer licht,
und einen Hut mit Muscheln drückt er sich ins Gesicht.
Und sieh, durchs Tor von Aachen ein finstrer Pilger zieht,
den Hut gedrückt ins Auge, das grauenhafter erglüht;
und durch des Domes Pforte dringt rasch und wilder ein.
Ha, wie so hell erstrahlet da rings der Kerzen Schein!
Wie wölben sich die Hallen voll ernster Majestät,
wie steht ringsum die Menge versenket im Gebet,
wie blickt auf sie hernieder so himmlisch mild und lind
aus Blumen und grünen Sträussern die Mutter und das Kind.
Und ringsum sucht sein Auge, da wird es ihn gewahr,
den mächt'gen Sachsenzwinger in seiner Kinder Schar;
vorn am Altare knieet das strenge Heldenbild,
wie fromm jetzt und ergeben, das Aug wie sanft und mild.
Und all' die schmucken Töchter, ein frischer Blumenkranz,
entknospt wie Maienrosen im hellen Morgenglanz,
die Wang von Andacht glühend, dem Schnee gleich ihr Gewand,
und auf dem keuschen Busen gefaltet fromm die Hand.
Lang steht der Sachsenfeldherr, solch Anblick ist ihm fremd,
fast fühlt er sich im Innern die heiße Brust beklemmt.
Da denkt er an die Toten daheim im Wesertal,
und wieder wild und grimmig faßt er nach seinem Stahl.
Da greifen ein die Harfner, da singt der Beter Chor,
welch Zaubermeer von Tönen erfüllt nicht da sein Ohr!
Wohl von dem Schwertgriff gleitet die Hand ihm da gar sacht,
noch nie hat ihn ergriffen so wunderbare Macht.
Da klingt das Sanctusglöcklein im hellen Silberton,
Herr Karol neigt zur Erden sein Haupt mit güldner Kron,
die Töchter beugen alle sich auf den Marbelstein,
so beugen sich dem Weste die Lilien weiß und rein.
Der Priester aber hebet auf das hochwürdge Gut:
"Das ist der Leib des Sühners, das ist des Sühners Blut!"
Und was da aufrecht stehet, ob Jungfrau oder Mann,
wirft sich aufs Antlitz nieder, schlägt an die Brust sich an.
Und mit der Menge stürzet hin auf das Knie sobald
des starken Sachsenführers wildriesige Gestalt.
In dunklem, selgen Ahnen, in nie gefühlter Lust
ruft er mit einem Male aus seiner finstern Brust:
"Ja, Karl, dein Gott ist grösser als Sachsens Gott es ist,
an mir hat ers bewähret in dieser kurzen Frist,
ich, den als Feind getrieben die Rach' in dieses Haus,
will als ein Freund nur wieder und als ein Christ hinaus."
Und als er dies gesprochen, da weicht das Volk vor Scheu,
doch freudig ruft der Karol: "Das ist der Sachsen Leu!
Komm, eil' herbei, ich drücke dich an die Brust mit Macht,
Held Wittekind, dein Engel hat dich hieher gebracht!
"Der Herr hat dir gegriffen mit mächtger Hand ans Herz,
denn ihm ist Wachs und Binse des Panzers hüllend Erz.
Er hat dich auserwählet, du Heldenbrust von Stein,
und ich, der Kaiser Karl, will selbst dein Täufer sein.
"Sei forthin Sachsens Herzog, und herrsche frei und gut,
es bleib' für unsre Kirche ein guter Schirm dein Mut,
und dein Geschlechterblühe mit Deutschland stets im Bund,
und deinen Namen preise noch spät der Sänger Mund!"